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Frankfurt ist der neue Arbeitsplatz von Christine Lagarde

Die Europäische Union hat im Vorjahr in allen Spitzenpositionen neues Personal bekommen. Darunter befand sich durchaus die eine oder andere Überraschung. Dazu zählte auch die Besetzung der Europäischen Zentralbank mit Sitz in Frankfurt. Sie erhielt mit der ehemaligen französischen Finanzministerin und langjährigen Direktorin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde eine prominente Führung.

Lagarde leitete vier Jahre lang das französische Wirtschafts- und Finanzministerium, bevor sie im Jahr 2011 an die Spitze des IWF berufen wurde. Dort hielt sie acht Jahre lang die Zügel straff in der Hand. Im Zug der Europawahl und der daraus resultierenden Neubesetzungen schlug sie Frankreichs Präsident Macron für die Position vor. Sie ist die erste Juristin in diesem Amt und folgte dem Italiener Mario Draghi nach.

Charmeoffensive in Frankfurt

Dass mit Christine Lagarde ein neuer Boss in der Stadt ist, bekam die Finanzmetropole relativ schnell zu spüren. Die Französin zeigte sofort offen, dass sie sich in Frankfurt so richtig wohlfühlt. Sie nahm sich in der Stadt eine Wohnung und lernte Deutsch. Damit nicht genug, taucht sie bei allen sich bietenden Gelegenheiten im gesellschaftlichen Leben auf und lobt ihre neue Heimat über alle Maßen. Das kommt an, schließlich zählt die Französin nun zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt. Ob Empfänge, Eröffnungen, Galerien oder Restaurants, niemand entkommt der Charmeoffensive von Christine Lagarde.

Das alles passierte ohne große Ankündigung oder Pomp. So geschehen beispielsweise auch beim Neujahrsempfang der Deutschen Börse. Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger zeigt sich Lagarde sehr leutselig und genießt die Freundlichkeit, die ihr im Gegenzug entgegengebracht wird. Selbst wenn, wie in Fall der Deutschen Börse, Kritik an der Europäischen Zentralbank geübt wird, nimmt sie dies mit einem Lächeln zur Kenntnis und verspricht Bedenken ernst zu nehmen.

Aufholbedarf in der FinTech-Szene

Dem Finanzplatz Frankfurt tut der neue Wind gut. Zwar profitiert die Metropole vom Brexit, doch bei FinTech-Startups hat die Stadt nicht die Nase vorne. Trotz aller Bemühungen ist es Frankfurt auch im Jahr 2019 nicht gelungen die direkten Konkurrenten bei der Attraktivität des Standorts zu überholen. Das überrascht, schließlich steht keine Stadt in Deutschland so sehr für Finanzen und Banking. Das sieht die FinTech-Szene offenbar ein wenig anders. Frankfurt liegt in der Liste der attraktivsten Standorte für FinTech-Unternehmen lediglich auf Platz drei. Die Stadt kämpft mit Hamburg, Berlin und München um die Vorherrschaft. Die großen Vier teilen sich immerhin zwei Drittel aller FinTechs in Deutschland auf. Untersucht wurden die Hubs nach insgesamt vier Kategorien:

  1. Die Anzahl der Start-ups
  2. Die Anzahl der Neugründungen
  3. Das Volumen der Venture Capital Investitionen
  4. Die Anzahl der Runden an Venture Capital Investitionen

Die Bundeshauptstadt Berlin liegt nach diesen Bewertungen weiter klar in Front, gefolgt von München und Frankfurt. Der Grund, warum Frankfurt nicht aufholen kann, ist auf den ersten Blick etwas seltsam. Offenbar ist ausgerechnet die Finanzmetropole für Kapitalgeber nicht attraktiv genug, um in die FinTech-Szene zu investieren. Nur zwei Prozent der Gesamtsumme, die 2019 in diesen Bereich geflossen sind, kommen aus Frankfurt. Hier hat die Stadt eindeutig Nachholbedarf. Es wird spannend zu sehen sein, ob die Anwesenheit der neuen EZB-Chefin zukünftig für mehr Attraktivität sorgen kann.

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